Leitlinien des Trägers
Mit der Trägerschaft von Kindertagesstätten unterstützt das Evangelische Dekanat Gießen die Kirchengemeinden in ihrem Engagement für Kinder und Familien. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass sich die Kirchengemeinden als Betreiber vor Ort vor allem auf die inhaltliche Arbeit in und mit ihren Kindertagesstätten konzentrieren können.
19 evangelische Kindertageseinrichtungen und Familienzentren bieten Familien mit Kindern ihre Dienste an. Rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für etwa 1400 Kinder in der Stadt Gießen und im Umland da. Sie begleiten Kinder und ihre Familien, sie unterstützen die Bildungsprozesse der Kinder und sorgen etwa durch hauswirtschaftliche und hausmeisterliche Tätigkeiten für einen Rahmen, der zum Wohlergehen von Klein und Groß in den Tageseinrichtungen beiträgt.
Die Landschaft evangelischer Kindertageseinrichtungen ist bunt, doch ist allen gemein: Das Wohl der Kinder und ihrer Familien liegt uns am Herzen.
Der Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsauftrag der evangelischen Kindergärten basiert auf geltenden staatlichen Ordnungen. Darüber hinaus setzt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau eigene Ziele für die Erziehung und Bildung in den Kindertageseinrichtungen.
Unser Angebot
Unsere Einrichtungen stehen allen Familien und Kindern offen. Wir arbeiten inklusiv und fördern Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Die Aufnahme von Kindern unterschiedlicher Glaubensherkunft verstehen wir als einen Beitrag zur Begegnung der Religionen und als Einüben in ein friedliches Zusammenleben.
In den meisten unserer Einrichtungen halten wir Plätze für Kinder im Alter von unter drei Jahren bis zum Eintritt in die Grundschule vor. Wir sind bemüht, abwechslungsreiche Mahlzeiten unter Berücksichtigung ethnischer, religiöser und gesundheitlicher Besonderheiten anzubieten.
In der Gestaltung unserer pädagogischen Angebote und der Öffnungszeiten orientieren wir uns an den Bedarfen und Anliegen der Familien.
Mit Hilfe unserer Netzwerke in Kirche und Gemeinwesen unterstützen wir Familien in den Anforderungen und Herausforderungen, vor die sie heute gestellt sind. Wir entlasten Familien durch unser unterstützendes Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsangebot und tragen dazu bei, Teilhabe und Verwirklichungschancen von Kindern und ihren Familien aus allen sozialen Schichten, Religionen und Nationalitäten zu verbessern.
Wir können zurückgreifen auf die zahlreichen Angebote der Kirchengemeinden, des Diakonischen Werks und der Evangelischen Familien-Bildungsstätte. Im Familienalltag entlasten wir etwa konkret mit Erziehungsberatung, Kursangeboten, Elterntreffs, Babysitter-Vermittlung oder Hausaufgabenhilfen. Weitere Fachleute und Experten unserer Kooperationspartner stehen uns zur Seite, beispielsweise die Kommunen, die Erziehungsberatungsstellen und die Volkshochschulen. Auch Sportvereine und andere Vereine kooperieren mit unseren Kindertageseinrichtungen und Familienzentren.
Inhaltliche Ausrichtung
Wir orientieren unsere pädagogische Arbeit am Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan. Insofern verstehen wir Bildung als lebenslangen und sozialen Entwicklungsprozess, an dem sich Kinder und Erwachsene aktiv beteiligen. Entwicklung und Lernen finden immer in Beziehungen statt, die das Lernen selbst beeinflussen. Deshalb nehmen wir sorgsam wahr, in welchen sozialen und kulturellen Zusammenhängen sich Kinder, die zu uns kommen, bewegen. Dies berücksichtigen wir besonders, indem wir uns an den Themen und Interessen der Kinder orientieren. Wir schaffen einen Rahmen für die Kinder, in welchem sie selbsttätig und in ihrem Tempo ihren Bildungsweg gehen. Wir begleiten Kinder dabei, indem wir mit ihnen und für sie anregende Lernumgebungen schaffen und so ihre Neugierde für Themen wecken.
Wir verstehen Bildung als ganzheitliches Konzept, das Wissen und Kreativität ebenso umfasst wie Werte und Haltungen im Leben und Zusammenleben. Wir achten besonders auf Verantwortungsübernahme und Kooperationsfähigkeit sowie den Umgang mit individuellen Unterschieden und kultureller Vielfalt. Wir unterstützen Kinder beim aktiven Lernen, Forschen und Entdecken und fördern so den Erwerb von Kompetenzen.
Wir begleiten Kinder bei den Übergängen z. B. von der Familie in die Kindertageseinrichtung und später in die Grundschule. Auch deshalb bemühen wir uns um Kooperation mit Tagespflegepersonen oder Lehrerinnen und Lehrern, um den Kindern Übergänge zu erleichtern.
Die Zusammenarbeit mit Eltern als in der Regel wichtigste Bezugspersonen und Kenner ihrer Kinder ist uns ebenso wichtig wie die altersangemessene Beteiligung der Kinder an allen sie betreffenden Angelegenheiten.
Träger und Fachberatungen für Kindertageseinrichtungen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unterstützen unsere Mitarbeitenden bei Fortbildung, Konzeptionsgesprächen und in Qualitätsdiskussionen.
„Gut gelebter Alltag“
Ganz alltägliche Situationen wie das Ankommen, das Essen, die Körperpflege und vor allem das Spielen sind von wesentlicher Bedeutung für die Kinder. Deshalb ist die Arbeit in den Kindertagesstätten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau getragen vom Leitgedanken des „gut gelebten Alltags“.
Das bedeutet für uns: Der Alltag enthält kostbare Schätze und es sind die alltäglichen Situationen, an deren Bewältigung Kinder im Leben und Zusammenleben reifen. Gut gelebter Alltag heißt, die Kinder jeden Tag zu begleiten, sie zu beobachten und ihre Interessen ernst zu nehmen. Es bedeutet, sie zu unterstützen statt sie zu belehren oder ihren Tag mit vorgefertigten Programmen zu verplanen. Denn so eignen sich Kinder Wissen an, stärken ihre Kompetenzen, erleben Werte und ihr eigenes Handeln als wirksam. Der „gut gelebte Alltag“ ist die Chance sich auf das Wesentliche zu besinnen und das Kind als Mittelpunkt der Arbeit zu verstehen.
Unser Selbstverständnis, unser Glauben
Evangelische Kindertageseinrichtungen und Familienzentren gestalten wir mit den Kirchengemeinden als „Orte der Begegnung“. Unseren Glauben leben wir im alltäglichen Miteinander.
In unseren Einrichtungen erfahren Kinder, gewollt zu sein. Nach unserem christlichen Verständnis ist jeder Mensch als Bild Gottes geschaffen und besitzt damit eine unverlierbare Würde. Wir sind davon überzeugt, dass die Zuwendung und Liebe Gottes unserem ganzen Leben gilt und nicht von dem abhängt, was wir aus unserem Leben machen. Wir ermutigen jedes Kind, sich mit seinen Gaben zum Wohle aller einzubringen, dabei aber auch eigene Grenzen anzunehmen. Wir üben uns darin, die Anderen mit ihren Gaben und Grenzen zu sehen und zu achten. Es ist uns ein Anliegen, dass Kinder zunehmend lernen widerstreitende Interessen auszuhalten, fair miteinander zu streiten und versöhnlich wieder aufeinander zuzugehen.
Mit den Kindern staunen wir über Gottes Schöpfung und nehmen wahr, wie wunderbar und zugleich verletzlich sie ist.
Bei uns stoßen Kinder mit ihren Sinnfragen auf offene Ohren. Wir nehmen die Bilder ernst, die sie sich vom Leben, von der Welt und von Gott machen. Wir scheuen auch die Fragen der Kinder nicht, die wir Erwachsene uns vielleicht nicht mehr zu stellen trauen.
In unseren Räumen und im Zusammenspiel mit den Kirchengemeinden erleben Kinder, Rituale zu gestalten, biblische Geschichten zu hören, zu beten, Andachten und Gottesdienste miteinander zu feiern und hierbei mitzuwirken. Kinder und ihre Familien erfahren, was es bedeuten kann, im Laufe des Jahres die christlichen Feste miteinander zu feiern.
Zu unserem evangelischen Selbstverständnis gehört es, Menschen mit einer anderen Religion oder z.B. mit einer atheistischen Weltsicht mit Respekt, Achtung und Interesse zu begegnen. Allen Familien, die diese Leitlinien akzeptieren und sich darauf einlassen, miteinander neue Erfahrungen zu machen, stehen unsere Einrichtungen offen.
Evangelische Kindertageseinrichtungen sind öffentliche Räume, in denen sich Kinder und Familien aus unterschiedlichen Lebenswelten begegnen. Sie leben von einer Atmosphäre, in der sich alle willkommen fühlen können.
Machen Sie sich selbst ein Bild – wir laden Sie herzlich zu unseren „Orten der Begegnung“ ein.